Jane & Louise Wilson

DO 5.11. 18.30 Uhr
Auditorium Schaulager

Jane & Louise Wilson im Gespräch mit Erika Balsom, Lecturer in Film Studies and in Liberal Arts, King’s College, London (auf Englisch)

Jane & Louise Wilson (beide *1967) erforschen in ihren Videoinstallationen historisch und politisch aufgeladene Räume, verbunden mit einer Reflexion auf die eigenen filmischen Gestaltungsmittel. Die Videoinstallation Gamma (1999) in der Ausstellung FUTURE PRESENT besteht aus zwei einander diagonal gegenüberstehenden Doppelprojektionen, die auf je zwei in einem 90-Grad-Winkel aufeinandertreffende Wände proijziert werden. Das architektonische Layout der Installation mit zwei Standpunkten, die miteinander verbunden und gleichzeitig zu sehen sind, spiegelt eine psychische Atmosphäre. Gamma wurde 1998 in dem ehemaligen US-Luftwaffenstützpunkt in Greenham Common in Berkshire (UK) gefilmt, einer Einrichtung aus der Zeit des Kalten Krieges, wo nukleare Waffen gelagert wurden und die 1991 stillgelegt wurde. Ein Teil der Anlage, der mit «Gamma» bezeichnet war, blieb als Teil eines Abkommens bestehen, welches bis 2001 aufrechterhalten wurde. Ebenfalls als Bestandteil dieses Abkommens wurde der Ort regelmässig von einem russischen Inspektionsteam überprüft, und ein amerikanisches Team besuchte seinerseits eine entsprechende Anlage in Russland. Die Installation von Jane & Louise Wilson inspiziert die Überwachungsräume, überwacht die Kontrollzentren und Sicherheitszonen und überschreitet mit dem Betrachter die Grenzen zu «unerreichbaren» Machträumen. Greenham Common führte zur Gründung des Women’s Peace Camp, einer friedlichen Protestaktion gegen die Entscheidung der Britischen Regierung, nukleare Lenkflugkörper an diesem Ort zu lagern. Die Bewegung gewann rasch an Grösse und erhielt weltweit Zuspruch. Die im Women’s Peace Camp zum Einsatz gelangten friedvollen Taktiken wurden in der Folge zum Protestmodell für die jüngste Occupy-Bewegung. Die in Gamma eingefangene Atmosphäre erscheint noch immer vom beklemmenden Gefühl von Überwachung und Paranoia dominiert. 1999 waren die Zwillingsschwestern mit Gamma für den Turner Prize nominiert.

Das Künstlergespräch ist im Eintrittspreis der Ausstellung inbegriffen.